Pädagogik statt Bürokratie

Vor den Osterferien haben wir eine Umfrage an alle Schulleiterinnen und Schulleiter der Pflichtschulen in ganz Österreich ausgeschickt. Die Ergebnisse liegen nun vor:

In Oberösterreich haben sich 25% aller Schulleiter/innen der Pflichtschulen an unserer Umfrage beteiligt, der Österreichschnitt liegt mit 26% praktisch gleich auf.

Die überwältigende Mehrheit von 97% (Österreich: 95%) befindet, dass durch die von Bund, Land und Schulerhalter vermehrte Arbeitsbelastung der Schulleiter/innen die pädagogische Leitung zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird.

Ständig neue Aufgabenstellungen, etwa bei der Sprachförderung, der Schuleinschreibung oder bei schulautonomen Fragen ohne ausreichende Unterstützung und Planungsgrundlagen stellen 97% (Ö: 96%) fest.

Die Vielzahl von Testungen, Dokumentationen und Projekten ohne schulautonomen feststellbaren Mehrwert für die pädagogische Leitung sehen 96% der Direktor/innen als Problem.

94,5% (Ö: 90%) der Schulleiter/innen sehen es kritisch, dass schulautonome Sprachfördermodelle durch Deutschförderklassen und –kurse ersetzt worden sind, ebenso die zentralen Vorgaben für die Leistungsbeurteilung und die neuen Mitteilungspflichten der Schulen durch das Pädagogikpaket.

Eine verstärkte Obsorge vonseiten des Dienstgebers und vermehrt Unterstützung durch die Gewerkschaft wünschen sich 96% (Ö: 95%) der Direktor/innen.

Die Frage 6 war offen gestellt und bei der Mehrzahl der Rücksendungen ausgefüllt. Manche Schulleiter/innen schrieben hier auf mehreren Seiten ihre Bedenken ob kommender Herausforderungen nieder. Die häufigsten Bedenken drehten sich um die derzeitige Planungsunsicherheit, was das kommende Schuljahr betrifft, um die Schwierigkeiten in der Kommunikation mit der Bildungsdirektion und –region, und um die ganz drängende Frage der mangelnden Ressourcen bei Sprachförderung und Sonderpädagogik.

„Die große Beteiligung an unserer Befragung unterstreicht, wie groß die Sorge ist, dass unsere Schulen vor dem pädagogischen Kollaps stehen. Lehrerinnen und Lehrer bräuchten bei Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten die pädagogische Unterstützung durch die Schulleitung. Aber dafür bleibt kaum Zeit. Schulleiter und Schulleiterinnen dürfen nicht unter Aktenordnern verschüttet werden, sondern gehören an die Seite von Kindern und Lehrerinnen und Lehrer!“, so Thomas Bulant, Bundesvorsitzender des SLÖ.

Game over: Wir brauchen im Umgang mit unseren Direktorinnen und Direktoren einen Richtungswechsel hin zu echter schulischer Autonomie, professioneller und administrativer Unterstützung und Anerkennung ihrer Expertise durch den Dienstgeber!

Franz Bicek
Mitglied des ZA
Mitglied der Bundes- und Landesleitung der Gewerkschaft APS
Tel.: 0664/239 3546
Email: fbicek@gmail.com